Ikonenhafte doppelköpfige (männlich & weiblich)
Violen Iris

Die aus der russischen Kultur- und Kunstmetropole St. Petersburg stammende, seit dreizig Jahren in Deutschland lebende Malerin Tamara Last hat sich vor allem mit ihren Blumenbildnissen einen Namen gemacht - Porträtbilder von einzelnen Blumen und Blüten mit geradezu ikonenhafter Leuchtkraft. Diese Kunstfertigkeit ist freilich nicht vom Himmel gefallen, sondern hart erarbeitet.

Tamara Last stammt aus einer künstlerisch sehr begabten, inzwischen über die halbe Welt zerstreuten Familie. Während eines Architekturstudiums begann sie sich bereits aktiv der Malerei zu widmen. Nach dem Abschluss studierte sie Psychologie um sprach- und geistig behinderte Kinder zu betreuen.

Ihre Bilder erwecken den Eindruck, als ob sie dieses psychologische Einfühlungsvermögen und ihre im Studium und im Beruf erworbene Sensibilität auf das Studium der Blumenseele übertragen hätte. Die von der Künstlerin aufs Bild gebannten Blumen sind keine bloßen Abbilder, sondern in jedem Fall individuelle Porträtstudien. Es geht dabei nicht um die äußere Gestalt der einzelnen Blüte, sondern um ihre innere Physiognomie, um die Entdeckung ihrer vegetativen Seele.

Tamara Lasts Blumenbildnisse sind geprägt von einer spezifisch weiblichen Ästhetik. Nicht umsonst nennt sie drei bedeutende Künstlerinnen als ihre Vorbilder: Maria Sibylla Merian, Tamara de Lempicka und Georgia O´Keeffes. Ihre Blüten sind voller Zärtlichkeit und Hingabe gemalt. Sie tragen erkennbar feminine Züge und gewinnen zuweilen eine geheimnisvolle erotische Anziehungskraft. Sie scheinen Augen, Münder und Ohren zu haben, sie treten dem Betrachter mit mädchenhaften Gesichtszügen und weiblichen Rundungen entgegen.

Tamara Lasts Blumenstudien sind keine Stillleben. Ihre Blüten atmen, sprechen und erzählen Geschichten - wie zum Beispiel die Mohnblumen am Rande eines weitreichenden Weizenfeldes oder die russische "Landschaft mit Mohn", die von einem Bach durchflossen wird und den Blick in eine Welt jenseits des irdischen Horizontes eröffnet.

Ein stolzer Helianthus, ein Kind des sonnigen Südens, erhebt sich fast triumphierend über eine bescheidene, unschuldsweiße, nordisch schüchterne Margerite, die sich demütig vor ihm verneigt. Tamara Last hat umfangreiche botanische Studien betrieben. Dennoch gestaltet sie ihre Blumen nicht nach der Natur, sondern mit der Andacht und Intensität einer Ikonenmalerin, nicht gerade mit spitzem Finger, aber mit sehr viel Fingerspitzengefühl.

Ihre Blumen öffnen sich dem Betrachter, dem Schmetterling oder dem Paradiesvogel. Sie verneigen sich, sie zeigen sich in ihrer paradiesisch unschuldigen Pracht und Schönheit, sie wollen sich hingeben. Darum stehen ihre Blumen nicht abgeschnitten vom Leben in der Vase, sie stehen mitten im Feld, in der Landschaft, in der freien Natur.

Sie sind beseelt, sie sind keine bloße Materie, sondern lebendige Geschöpfe Gottes. Sie sind gestaltgewordene Zeugnisse der Schöpferkraft, des Einfallsreichtums und der "Blumenliebe" Gottes.

Es sind ganz bestimmte Blumen, die Tamara Last darstellt, blühende Sinnbilder mit ihren eigenen Geschichten: Narzissen, Tulpen, Anemonen, Ir